Samstag, 9. Mai 2009

Kending-Reste...

So... und weiter gehts... ich weiß... es zieht sich ein bisschen, aber ich gebe mir Mühe!

Es ist unser letzter Tag in Kending und wer glaubt wir hätten uns nur ausgeruht... der irrt!

Ja! Der werte Leser sieht ganz recht! Wir haben uns in größte Gefahr begeben um einen weiteren Nationalpark im Süden Taiwans zu besichtigen. Die Wegesränder dort waren gespickt mit diesen interessanten Schilder und während ich mich bei giftigen Insekten, Schlangen und Raupen noch vergleichsweise wohlfühlte, war mir das Hinweisschild zu den Pflanzen nicht ganz geheuer. Ich dachte bei mir... Insekten? Kann ich wegscheuchen! Raupen? Eh zu langsam! Schlangen? Ich trampel einfach mehr! Aber bei den Pflanzen?! Wie sollte ich denen ausweichen? Ich war mir auch sicher, dass das Bild auf dem Schild nicht die Pflanze darstellen sollte, die mich hier vergiften sollte, denn sonst hätten sie die Schilder doch vielleicht neben die entsprechende Pflanze gestellt, damit man sie identifizieren und meiden kann?! Aber nichts da. Die Schilder waren in schöner Regelmäßigkeit und Willkürlichkeit über den Park verteilt und in meinem Kopf wurde jede mir unbekannte Pflanze zum stillen Feind! Aber... wie man sieht, es ist mir nichts passiert... ich habe beim Eingang gewartet! ...

Scherz beiseite... natürlich nicht! Hinein ging es in die grüne Hölle!
In meinen Phantasien war ich hin und hergerissen zwischen "Platoon" und "Das Dschungelbuch", "Sergeant Barnes" und "Mogli"... Leider muss ich an dieser Stelle zugeben, dass ich ersteren Film nie ganz gesehen habe und mich bei solchen Szenerien somit eher mit Mogli verbunden fühlte!

Wer sieht da nicht jeden Moment Colonel Haati durch das Geäst brechen?! :) Zum Glück konnte ich mich gerade noch kontrollieren um nicht meinen Urtrieben zu folgen und mich im Lendenschurz durchs Unterholz zu schlagen! Um mich von dem ganzen Grün zu erholen bogen wir gemeinsam vom Dschungelpfad ab um in von vulkanischen Aktivitäten geschaffenen Felsspalten und Höhlen zu wandeln.

Das war ansich schon spannend... zum einen weil die Tunnel erstaunlich schlecht ausgeleuchtet waren und wir auch anscheinend die einzigen Menschen in diesem unterirdischen System waren. Aber es ist der taiwanischen Langsamkeit zu verdanken, dass ich und Yasmine schon nach wenigen Minuten einen gewissen Vorsprung erlaufen hatten und so konnte ich nicht an mich halten... kramte meine leere Getränkedose aus meiner Tasche und suchte mir mit Yasmine gemeinsam eine enge Biegung mit Treppen und postierte mich mit guter Übersicht über das Geschehen über den Treppen. Als Shengjie nun mit seiner Freundin im Schlepptau um die Ecke bog und die Treppenstufen in Angriff nahm, ließ ich direkt vor ihrer Nase meine Getränkedose effektvoll vor ihre Füße fallen. Ein schönes Geschepper... zwei recht hohe Schreie und alle waren wieder wach und fröhlich! :)

Irgendwann kamen wir dann auch wieder ans Tageslicht und fingen wieder an Berge zu erklimmen um schöne Aussichten zu erreichen.

Diesmal waren wir allerdings nicht hoch genug und auch weiter landeinwärts als das wir die Aussicht auf eine azurblaue See hätten genießen können. Zufrieden war ich aber trotzdem... denn zumindest ich hatte Lust die lange Runde am sogenannten "Affenfelsen" vorbei zu machen. Ich fühlte mich schon fast wieder wie Mogli als wir feststellen mussten, dass heute kein Affe gedachte sich mal oben auf den Felsen über der Beobachtungsplatform zu zeigen... Wahrscheinlich kommen die da auch nur im Sommer vorbei wenn die Touristen sie mit ihrer angeschmolzenen Schokolade beschmeißen! Wir machten uns auf jeden Fall leicht enttäuscht wieder auf den Rückweg.

Auch auf dem Rückweg wurden wir durch weitere, diesmal wirklich schmale Felsspalten geschickt, erreichten aber am Ende dann doch wieder das Eingangstor und schwangen uns wieder auf unsere Roller! Denn wir wollten in den letzten Stunden bevor wir uns wieder in Busse und Bahnen setzen mussten noch einmal die schönsten Strände in der Umgegend anschauen.
Gewonnen hat dieser Strand:

"Mensch, haben die ein Glück... so ein fantastischer Strand und kein Mensch!", könnte man jetzt denken... aber auch wenn der Urlaub in Kending wirklich toll war, soviel Glück hatten wir dann doch nicht. Dieser Strand steht wegen seiner vorgelagerten Korallenriffe unter Naturschtz und ist für Menschen leider überhaupt nicht zugänglich. Aber dies ist das beste Foto (abgesehen von Fotos mit mir oder Yasmine davor) was ich von ihm machen konnte!

Von der Rückreise erspare ich mir jetzt mal die fotografische Dokumentation... wir sind ohne Komplikationen und müde am Abend wieder in Taipei angekommen und wären am liebsten gleich wieder losgefahren!

Achja... eins noch... beim letztmaligen Fotos-Sichten habe ich doch glatt grob fahrlässig ein paar schwarze Bilder überscrollt... aber denen soll jetzt doch noch Rechnung getragen werden. Am Abend davor waren wir nämlich noch bevor wir bei der Bar mit den Mini-Fahrrädern versackt sind am südlichsten Punkt Taiwans. Ein wenig hinter dem dortigen Leuchtturm gelegen führt ein schmaler Fußweg zu der kleinen Plattform, die diesen Punkt markieren soll. Da es schon dunkel war tarnten wir unsere Roller bestmöglich als Beine und fuhren den garnicht mal so kurzen Weg auf eben selbigen... Im Nachhinein gestanden uns unsere beiden taiwanischen Freunde, dass sie es als sehr spannend empfunden hatten diesen schmalen unbeleuchteten Weg mit beleuchteten Rollern entlang zu fahren... und plötzlich wurde mir auch klar, warum wir sie zweimal bitten mussten nach Ankunft doch bitte das Licht der Roller auszumachen damit doch vielleicht noch einen Stern sehen könnte! :)
Aber genau bei dieser Gelegenheit ist mir dieses Foto gelungen!

Wenn man genau in die untere linke Ecke schaut kann man sogar noch einen Satellit, oder was mir persönlich besser gefallen würde, eine Sternschnuppe sehen! :)

Mit diesem letzten Bild verabschiede ich mich dann jetzt auch wieder ins Wochenende und hoffe es hat Spaß gemacht zu lesen und zu gucken!

Donnerstag, 23. April 2009

entspannterer Kurs... pff...

Soviel dazu... der Kurs ist vielleicht thematisch entspannter, aber das war bevor ich wusste, dass unsere Lehrerin wirklich zu jeder Lektion Diktate und Tests abhalten will. Und als wäre das nicht genug... es gibt auch noch ab und zu Referate zu halten oder Geschichten zu schreiben... und ich dachte das wäre jetzt vorbei.

Naja... nichtsdestotrotz habe ich mich ein wenig frei geschaufelt. Yasmines Freundin Nathalie ist mittlerweile auch bei uns angekommen und wird die nächsten zwei Wochen bei uns wohnen und genau mit selbiger macht Yasmine gerade einen Ausflug, während ich hier zuhause auf meine Tandempartnerin Liyin warte und die Zeit nutze... wie man sieht!

Letzesmal war ich bei Kending stehengeblieben und genau dort war ich gerade wieder... diesmal allerdings mit meinen Eltern... aber dazu werde ich erst sehr viel später kommen! :)

Das letzte Mal hatte ich den werten Leser mit einem Strandbild zurückgelassen und das ist auch tatsächlich fast das erste was wir dort gesehen haben! Davor kam natürlich auch noch unser kleines nettes Hotel was über einem kleinen Laden für Surfbedarf angesiedelt war. Die Zimmer waren wirklich sehr liebevoll zurechtgemacht, einfach aber sauber!

Das einzige was man bemängeln könnte war, dass die Dusche ohne Vorhang war und so ziemlich zielgerichtet das gesamte Bad unter Wasser gesetzt hat. Also musste man wohl übel erstmal das ganze Bad leerräumen bevor man sich abends von dem ganzen Salzwasser befreien konnte!

Auf dem Weg zum Strand am ersten Abend (ca. 5min Weg) war uns schon von weitem eine interessante Bar aufgefallen, die in einem Kleinstlaster untergebracht am Straßenrand stand und offentsichtlich wirklich betrieben wurde.

Am ersten Abend wagten wir uns noch nicht "hinein", aber wir planten schon jetzt mit Shengjie und seiner Bekannten dort am nächsten Abend ein Bierchen zu trinken! Die beiden wussten nämlich von unserem Aufenthalt im Süden und das Shengjie ganz in der Nähe seinen Zivildienst ableistet und seine Freundin in Gaoxiong studiert bot sich das doch nahezu an!

Nach Strandbesuch und Umgegend erkunden waren nun auch ein wenig hungrig und wir entschlossen und mutig für ein mexikanischen Restaurant direkt neben unserem Hotel.

Und wir waren beide überrascht. Das Essen hätte auch ohne das köstliche Taiwan-Beer sehr lecker geschmeckt. Vor mir steht übrigens eine gehaltvolle Tortilla-Lasagne...

So gut verpflegt und auch ein wenig müde von der gut 2stündigen Fahrerei mit dem Bus waren wir dann auch bald im Bett und freuten uns auf den Besuch von Shengjie + Bekannte. Die kamen allerdings erst am Nachmittag.l. aber keine Angst. Fünf Minuten vom Strand fiel uns schnell ein was wir tun könnten...

Der Sonnenschirm für etwas mehr als einen Heiermann war schnell gemietet und wie man auf dem nächsten Foto sehen kann war ich auch schnell und entschlossenen Herzens auf dem Weg ins kühle Nass!

Nachdem ich meine ersten Runden gedreht hatte saß ich wieder glücklich unter unserem Schirm und konnte zugucken wie sich der Strand langsam füllte und vor allem... wie nach weißer Haut verrückte Taiwaner bei knapp 30°C in der Sonne ihren Strandbesuch genießen!

Es gilt die alte "Volksweisheit": Einmal schwarz/braun nie wieder weiß!

Yasmine und ich dagegen schwammen, badeten in der Sonne und erkundeten den doch relativ kurzen Strandabschnitt. Dabei entdeckten wir auch eine sehr nette und kühle kleine Lagune in der wir uns glatt ein paar Minuten angenehme kühle Luft gönnten, bevor wir wieder raus in die Sonne gingen.

Gegen frühen Nachmittag kam dann auch Shengjie an und wir konnten nun mithilfe seines Führerscheins und seiner Idee auch endlich ein paar Roller für uns vier mieten. Damit ging es aufgrund des doch recht frühen Sonnenuntergangs auch gleich auf eine besondere Klippe von der aus der Sonnenunterauf- und -untergang besonders schön sein sollte. Bis wir angekommen waren hatte sich allerdings ein großer Wolkenberg dazu entschieden auf dem Wasser am Horizont Platz zu nehmen und so ging die Sonne nicht im Meer unter sondern versank etwas weniger spektakulär in einem grau-rot-lila-blauen Wolkenberg. Das ganz hielt die den Japanern nacheifernden Taiwaner natürlich nicht davon ab mit Rollern, Autos und Bussen diese Erhebung an der Küste dicht zu bevölkern. Immerhin schafften wir es uns zwei Quadratmeter frei zu schaufeln und ein standesgemäßes Gruppenfoto zu inszenieren!

Damit war das Abendprogramm von Shengjie aber noch lange noch nicht zuende. Von dort aus ging es ein paar Kilometer weiter zu einem Ort namens "Da-wo-Feuer-rauskommt"(出火). Dieser doch recht schlicht gehaltene Name erklärt allerdings ziemlich präzise worum es sich dort handelt. Auf einer ziemlich weitläufigen Wiese findet man plötzlich große "Nester" aus Steinen und Felsen und zwischen selbigen entweichen wohl permanent und schon seit Ewigkeiten vulkanische Gase. Wann und wie sich das Ganze dann mal entzündet hat ist unklar aber auf jeden Fall kann man in kleinen mobilen Läden kleine Alupapierwannen mit Popcorn kaufen und über diesen immerwährenden Flammen zum Knallen bringen... Dass ich bis dahin noch nie selber Popcorn gemacht hatte erscheint einem dann ziemlich schnell ziemlich unwichtig, wenn man nun über einem natürlichen unversiegbaren Feuer seinen Popcornwanne schwingt... denn... wer kann das (abgesehen von einer ganzen Menge Taiwaner) schon von sich behaupten!?

Nachdem wir uns an dem warmen Feuer und noch heißerem Popcorn ein wenig aufgewärmt hatten ging es nach ein paar Stunden dann auch wieder zurück nach Kending.
Unsere Roller waren schnell vor unserem Hotel abgestellt und schon waren wir unterwegs zu unserer neuen Hausbar!

Das Bier schmeckte auf alten Gartenstühlen mitten auf der Straße sitzend auch ziemlich gut. Und auch der freundliche Barkeeper trug zu einer guten Abendausklangstimmung bei!
Der Text auf der Tafel hinter uns wurde lustigerweise tatsächlich von ein paar Norwegern geschrieben und der Barkeeper freute sich als ich ihn darüber aufklären konnte was die E6 ist!

Am nächsten Morgen ging es dann auch wieder nach dem Frühstück an den Strand um die Biere (2x) vom letzten Abend im wahrsten Sinne des Wortes auszuschwemmen.

Nachdem wir fast drei Stunden geschwommen und getaucht waren und ich Shengjie erklärte wie man den "Toten Mann" macht, schwangen wir uns wieder auf unsere Roller um die Nationalsparks von Kending und Umgebung zu erkunden.
Was mit unaufgeregten Spaziergängen durchs Gebüsch begann...

brachte uns nach einigen Höhenmetern auf weitläufige Hochebenen...

... und nach noch mehr Treppenstufen schließlich auf Holzplatformen über den Baumwipfeln mit einer wahrlich königlichen Aussicht bis hin zum Meer!

Da der Sonnenuntergang immer näher rückte machten wir uns auf den Rückmarsch zu unseren Rollern und dann die letzten Berge runter zurück zu unserem Hotel.

Dort angekommen genossen wir noch einmal die Nachtmarktatmossphäre auf den Hauptstraße Kendings und kauften uns die eine oder andere Kleinigkeit.

Am Ende des Abends kamen wir dann wieder bei unserer Straßen-Bar an und gönnten uns noch ein zwei Bierchen um den Abend ausklingen zu lassen. Der Barkeeper hatte allerdings noch eine große kleine Überraschung für uns auf Lager. Er hatte hinter seinem Tresen noch ein paar Mini-Fahrräder versteckt, die er uns nun zum Fahren anbot. Bei meinem ersten Versuch prellte ich mir den Hintern und war von da an nicht mehr bereit es weiter zu probieren. Shengjie hingegen...

...entpuppte sich nach einigen Fehlversuchen als echtes Naturtalent. (links: Shengjie, rechts: Mark, der Barkeeper) Anhand desssen wie voll die Straße hinter den beiden ist kann man in etwa ermessen wie lange Shengjie noch geübt hat. Der Barkeeper stellte ihm nämlich sobald er sich wenige Meter auf dem Diet-Bike halten konnte folgende Aufgaben: Wenn er es schaffen sollte in einem etwa 1m Durchmesser großen Kreis drei Runden zu fahren ohne abzusetzen und ohne aus dem Kreis zu fahren, dann bekommt er einen Tequila-Shot umsonst. Da war natürlich Shengjies Ehrgeiz gepackt und nach etwa 20 Anläufen war er dann auch erfolgreich, nur um mit einem Tequila im Blut bei dem nächsten Level auf Granit beißen zu müssen: Einmal zu nächsten Straßenlaterne und zurück in 40 Sekunden. Nachdem Shengjie schweißnass und schwer atmend etwa 20 Sekunden drüber lag, forderten wir einstimmig den Beweis der Machbarkeit von Mark ein. Der schaffte es dann tatsächlich im Rennen gegen Shengjie im zweiten Anlauf! Und obwohl Shengjie nicht erfolgreich gewesen war durfte er auch noch die Herausforderung des dritten Levels testen, welche eine ganze Runde Tequila für alle Gäste (wir vier) nach sich ziehen sollte. Er sollte eine Acht in eben beschriebenen Kreis fahren. Versucht hat er es zwar noch... aber ohne Erfolg.

Der Barkeeper war aber dann trotzdem noch so nett für unser Gruppenfoto zu posieren und mir sogar sein Stativ zu leihen!
Noch einer kleiner Hinweis zum Schluss. Den Namen der Bar habe ich hier einfach mal nicht erwähnt... aber der geneigte Sinologe wir sicher auf den Fotos den Namen erkennen können! :)

So... das wars auch schon wieder für heute... beim nächsten Mal geht es noch ein wenig weiter in Kending und dann bewege ich mich auch schon mit großen Schritten auf Weihnachten zu! ;)

Sonntag, 22. März 2009

Gaoxiong

Weiter gehts...

Ich bin immerhin schon am 26. November angekommen und es geht weiter.
Den 26. November will ich an dieser Stelle nur vermerkt wissen, weil wir an diesem Tag unsere Bons mit den Gewinnerzahlen im Internet abgeglichen haben... und?! Tadaa... wir haben mit 2 Bons gewonnen und haben sage und schreibe 8 Euro einkassiert!

Mit soviel Geld konnten wir dann auch gleich einen Tag später unsere Reise nach Kending antreten. Davor stand allerdings noch Gaoxiong... schon merkwürdig das mal richtig zu schreiben. Die Taiwaner lieben es immernoch alle Laut- und Umschriften der Welt zu benutzen um die chinesische Sprache in unsere Laute zu wandeln... und wenn man einen Reiseführer oder ein Straßenschild liest wird man meistens auf etwas wie "Kaohsiung" treffen... :) Naja... das nur am Rande.
Mit dem neuen Schnellzug (Gaotie - 高鐵) ging es für uns am Taibei-Hauptbahnhof los und nur zwei Stunden später findet man sich schon fast am anderen Ende der Insel in Gaoxiong wieder. In Gaoxiong wurde gerade wegen der dort bald stattfindenden World Games 2009 eine neue U-Bahn eröffnet. Ganz nach japanischen Vorbild reicht jetzt kein dezentes Blinken mehr wenn die Bahn einfährt... nein es muss eine etwa 15 Sekunden lange Midi-Melodie ertönen, die einem schon nach dem ersten Mal gehörig auf den Geist geht. Dasselbe Spiel erfolgt nochmal bei Abfahrt... Auf dem Foto sieht man mich übrigens auf einem steinernen Umriss der Stadt Gaoxiong stehen. Die dort eingelassenen roten Punkte stehen für die neuen U-Bahn-Stationen, die sich auf zwei Linien kreuzförmig durch die Stadt ziehen. Dass die U-Bahn ganz neu ist konnte einem auch an anderen Details schmerzhaft bewusst werden, denn natürlich mussten mit der Neuerrichtung einer solchen Institution auch neue Sicherheitsstandards einhergehen und so kommt es, dass man sich in den Bahnhöfen keinen Schritt fortbewegen kann ohne dass einem auf mindestens drei verschiedenen Sprachen tolle "Sicherheitsvorschläge" gemacht werden. Seinen Höhepunkt findet das ganze dann auf den Rolltreppen: Dort wird man dann mit freundlich seuselnder Stimme, in einem nicht enden wollenden mehrsprachigen Kanon darauf hingewiesen, dass man gefälligst in der gelben Box auf der rechten Seite der Rolltreppe zu stehen hat... soviel Überbevormundung war mir dann doch ein wenig zuviel und ich freute mich als wir den Wirren des neuen Metrosystems endlich unser Hotel erreichten.

Das selbiges eine wirklich sehr direkte Verkehrsanbindung, davon konnten wir uns noch vor Ankunft überzeugen (es ist das weiße Gebäude auf der linken Seite des Fotos)... Man musste nur einer recht langen Brücke über etwa 20 Bahngleise folgen und dann war man schon fast da. Nach einem herzlichem Check-In konnten wir uns allerdings auch schon beruhigen. Die Fenster unseres Zimmers waren nicht Richtung Bahngleise gerichtet und so kamen wir nicht in den Genuss von Nacht- und Güterzügen.

Den angebrochenen Tag nutzten wir anschließend dann noch um den Hafen von Gaoxiong zu erkunden. Wir wünschten ein paar Anglern noch viel Erfolg im Hafenbecken und schlenderten von dort weiter durch die etwas älteren Viertel Gaoxiongs.

In unserem Reiseführer wurde uns noch der alte Leuchtturm und das Leuchtturmwärterhäuschen als Sehenswürdigkeit ans Herz gelegt. Deshalb wurde nicht gefackelt und wir machten uns auf selbiges zu besichtigen, jedoch, nachdem wir den Aufstieg dorthin hinter uns gebracht hatten wurden wir arg enttäuscht. Nicht etwa wie ein 7/11 sondern wie eine deutsche Behörde werden hier die Öffnungszeiten gesetzt und so waren die Tore schon verriegelt und wir konnten nur noch die Ruhe und die Einsamkeit auf dem Berg vor Gaoxiong genießen.

Die Aussicht war schließlich auch nicht von schlechten Eltern und so gingen wir weiter den "Hügelkamm" entlang und kam vorbei an alten Bunkeranlagen und beeindruckend großen Bäumen schließlich zu einer alten militärischen Befestigung. Die ausschließlich chinesischsprachigen und sowieso spärlich gesäten Schilder passten nicht in meine Vorstellung von Entspannung und nun bin ich leider nicht in der Lage zu erklären was das für eine Anlage war oder wofür sie genutzt wurde... auf jeden Fall war sie gut in den Berg eingegraben und wir konnten die herausschauenden Betonecken hervorragend für eine Pause nutzen und den Ausblick auf die im Dunst liegende vorgelagerte Halbinseln vor Gaoxiong genießen.

Wie gesagt war das Fort hier oben auf dem Berg prima touristisch erschlossen und auch um die Sicherheit wurde sich gesorgt. So entdeckte ich auf dem Rückweg über die extrem dicken Beton- und Backsteinwände ein nettes Hinweisschild. Von den Standpunkt des Schildes konnte man bequem in den Innenhof des Komplexes hüpfen und sich bei Bedarf beide Beine brechen... aber immerhin... sie haben einen ja vorgewarnt. Achja... Das Schild hatte dabei einen großzügigen Durchmesser von ca. 8 cm.

Den Abend verbrachten wir dann nach einem sehr günstigen aber auch sehr geschmacklosen Essen in Umgebung des Bahnhofes und erkundeten ein paar bunt beleuchtete Straßen.

Der nächste Tag begann ausnahmsweise recht früh. Unser Bus nach Kending sollte erst gegen frühen Abend abgehen und so nahmen wir uns vor noch ein bisschen die Umgegend Gaoxiong zu erkunden. Heute war Wandertag angesagt und nachdem wir uns unter Zuhilfenahme der öffentlichen Verkehrsmittel der Peripherie Gaoxiongs genähert hatten ging es auch schon los.
Wir hatten gehört das die Straße an der Küste besonders schön sein sollte und am besten sollte man dafür von der Uni für Meeresforschung starten. Eine nette Frau um die 40 war offenbar eh gerade auf dem Weg dahin und nahm uns gleich unter ihre Fittiche und so mussten wir nicht lange suchen um den richtigen Weg zu finden. Die Straße schlengelte sich ab dort auch gleich steil den Berg hinauf. Unter anderem zu den Wohnheimen der Studenten... mit dem Blick würde ich in Hamburg auch sofort in ein Wohnheim ziehen... subtropische Wälder, Palmen und Wasser...
Was wir noch sahen ging hoffentlich auf ein Erdbeben zurück und nicht auf die Experimente der anliegenden Uni...

Weiter ging es den Berg hinauf und die Luft wurde frischer und der Himmel deutlich blauer... Das einzige was uns ein wenig störte war, dass der Blick aufs schöne blaue Meer und die Küste gründlich von Bäumen, Büschen und Palmen verstellt war. Und so entschlossen wir uns nach etwa 1 1/2 Stunden Fußmarsch mal einen der vielen kleinen Abzweigungen ins Unterholz zu folgen.

Der Ehrlichkeit halber muss ich erwähnen, dass dieser Weg (Foto) ein wenig anders angefangen hatte... so mutig sind wir nun auch nicht. Angefangen hatte er mit einer grob geteerten Strecke die von der Straße runter sehr steil mitten in den Wald führte. Aber nachdem wir in dem Bewusstsein, dass wir diese tödliche Steigung auf dem Rückweg nach oben gehen müssen, schon hinter uns gebracht hatten, war immernoch kein Meer zu sehen und so entschlossen wir uns diesem kleinen Pfad in die Ungewissheit zu folgen. Aber wir sollten belohnt werden:

Zwar standen wir noch nicht am Strand, aber die Aussicht und der frische Wind der uns auf diesem winzigen Stück Standfläche entgegenbließ war Belohnung genug. Außerdem waren wir uns sicher, dass wir in Kending noch an den Strand kommen würden. Mit dem guten Gefühl eines Entdeckers wollten wir gerade wieder den steilen Hang hinaufasten als uns der wirklich majestätisch große Baum auffiel, den wir auf dem Hinweg noch garnicht ausgiebig bewundert hatten...

Zum Vergleich habe ich mal ein kleines Mädchen, das ich gerade dabei hatte, daneben gestellt... :)

Wieder auf der Straße angekommen gingen wir weiter mit dem Rücken zu Gaoxiong an den Bergen entlang...
Nachdem ich mich etwa 10 Minuten darüber gewundert hatte, warum die Stromleitungen neben uns so beständig wackelten wurden wir auch schon vom Auslöser dieser Anomalie überholt.

Da er Autos schon gewohnt war, schien er sich für uns garnicht zu interessieren. Wenig später konnten wir auch noch seine gesamte Familie besichtigen, die sich am Straßenrand um und an einem Strommast versammelt hatte und uns wahrscheinlich dank ihrer kleinen Affenkinder doch noch ein wenig kritischer beäugte.
Noch eine ganze Ecke weiter stießen wir dann endlich wieder auf menschliche Ansiedlungen und beschlossen kurzerhand den zwar selten fahrenden aber immerhin vorhandenen Bus zurück zu nehmen. Aber natürlich nicht ohne vorher das kleine Dorf zu besichtigen, welches uns diese rettende Bushaltestelle beschert hatte. Natürlich nicht zuletzt weil sich die bunten Banner am Dorfeingang gegenseitig mit günstigen Essens- und Getränkeangeboten überboten. Nach sehr kurzer Suche wurde wir mitten in diesem quirligen kleinen Dorf auch schon fündig.
Das Dörfchen war am Hang gelegen und entsprechend steil führten kleine Straßen durch das Dorf. Ein Café mit Waffeln im Angebot machte dann bei uns das Rennen! Neben den wirklich köstlichen Waffeln mit Sahne kann ich an dieser Stelle natürlich auch nicht den großartigen Ausblick unerwähnt lassen, der unsere Augen sich auf einer kleinen Bucht mit Fischerdorfatmosphäre ausruhen ließ.

So genossen wir Eiskaffee schlürfend und Waffel essend die gute Stunde die uns blieb bis der nächste Bus kam und wanderten danach wieder glücklich hoch zur Straße und stiegen in den Bus zurück nach Gaoxiong. Nachdem wir uns Gepäck aus unserem Hotel abgeholt hatten ging es dann auch gleich weiter zum Busterminal, was, wie zu erwarten, auch nicht sehr weit von unserem Hotel war... :)
Nach einer guten Stunden Busfahrt waren wir dann auch endlich in Kending... aber darüber werde ich jetzt nicht mehr schreiben. Vielmehr werde ich nur noch ein Bild posten von dem was uns dort erwartete.

Nein... auch wenn wir ein wenig geschockt waren, dass nur wenige Kilometer von unserem Strand entfernt ein Atomkraftwerk stand um uns das Badewasser anzuwärmen ist es nicht DAS mit dem ich den werten Leser hier hängen lassen will...

Schon besser... oder? Das nur als kleine Impression von unserem ersten Abend dort... Jetzt da ich einen etwas entspannteren Kurs in der Uni wählen konnte, hoffe ich bald noch mehr schreiben zu können... noch habe ich den Traum vom Aufholen nicht aufgegeben!

Bis dahin...

Freitag, 20. März 2009

es weihnachtet sehr...

Achja... ansich könnte man ja die eine oder andere Träne darüber verdrücken, dass mein Blog mal wieder über einen Monat tot vor sich hingegammelt hat... aber was soll ich sagen... es hat ja auch irgendwie was morbides im März von Weihnachten zu schreiben... apropos... gibt es in Deutschland schon die ersten Schokoosterhasen mit Glöckchen zu kaufen?! :)

Gut... nur soviel dazu.

Am 20. November haben Yasmine und ich uns schon unseren Weihnachtsbaum gekauft in der Hoffnung schon früh, bei tropischen Temperaturen, eine Art von Weihnachtsstimmung zu kreieren. Dem voraus ging allerdings erstmal eine längere Suche nach einem passenden Baum. Voll mit Glitter, mit Schneespray geweißt oder auch nur komplett in Gold... das alles wollte uns nicht so recht in den Kram passen und so hatten vor dem erfolgreichen Kauf unserer etwa 25 cm großen Plastiktanne schon eine ganze Menge hässliche Sachen ertragen müssen.
Als wir an dem selben Tag, irgendwann abends dann auch zuhause ankamen, war auf der Straßenecke vor unserem Haus ein kleiner Stand mit Erdnüssen eröffnet worden. Es waren nicht ganz die heimischen Hasel- und Walnüsse, aber zumindest an dieser kleinen Straßenecke mit zwei Jutesäcken voll mit Erdnüssen, beleuchtet mit Hilfe einer kleinen Lampe und Autobatterie, flammte doch plötzlich ein kleines Gefühl von Weihnachten auf...
Es ist schon merkwürdig... In Deutschland möchte man von Weihnachten vor dem dritten Advent nach Möglichkeit noch nichts wissen, aber wenn man es dann mal nicht 24 Stunden am Tag, drei Monate im Voraus um die Ohren gehauen bekommt, vermisst man Weihnachten plötzlich dann doch wieder!?

Nun... noch eine Binsenweißheit... Lerne aus deinen Fehlern! ...
Machen wir nicht!
In dem vollen Bewußtsein, dass es am Samstag in Danshui unbarmherzig voll von Menschen sein wird, setzten wir uns in eine propevolle U-Bahn und näherten uns unserem Schicksal...
So sollte es dann auch sein... An schwitzenden Körpern entlang drängelten wir uns bis zum Ausgang durch und entschieden uns angesichts nicht enden wollender Menschenströme dazu nicht Richtung Promenade und Nachtmarkt zu gehen, sondern in die entgegengesetzte Richtung richtung Wanderweg zu gehen.
Auch dort tummelten sich gefährlich viele Fahrradfahrer, die aber nicht etwa Fahrrad fuhren... nein für Taiwaner scheint es beim "Fahrradfahren" existenziell wichtig zu sein sich gegenseitig in schicken Radlerhosen und Markenrad fotografieren zu lassen, danach schieben sie ihr Fahrrad wieder zurück in die staubsichere Garage. Jedenfalls konnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die Fahrradfahrer auf der Promenade beim Fotoshooting gegen die Fahrradfahrer auf dem Fahhradweg aufwog...
Immerhin hatten Yasmine und ich nach einer kurzen Strecke an der Straße einen netten Spaziergang durch das anliegende Naturschutzgebiet. Nur 10 Minuten von Danshui hat die schöne Stadt Taibei einen netten Wanderweg bis zur nächsten U-Bahn-Station angelegt. Auf hölzernen Stelzen kann man dort durch einen flachen aber hübschen Mangrovenwald direkt am Fluß wandern. Nach vielen kleinen hölzernen Umwegen und vielen schönen Aussichten fanden wir uns im Sonnenuntergang und bei der Hongshulin-U-Bahn-Station wieder. Der Name der Station heißt übersetzt etwa "Rot-Baum-Wäldchen". Ich kann mich nicht erinnern irgendetwas rotes, baumartiges in der näheren Umebung der Station gesehen zu haben... aber ist ja auch egal... Nach der Heimfahrt auf türkisen Plastiksitzen war der Tag dann auch bald vorbei.

Für den Sonntag stand dann der vorweihnachtliche Großputz auf dem Plan. Ganz nach "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen" machte ich mich, nachdem die Wohnung wieder glänzte und staubfrei war, an meine Hausaufgaben. Auch das war bald erledigt und wir machten uns mit der Mission "Weihnachtsstimmung" auf den Weg zum Riesen-Department-Store SOGO. Gerüchten zufolge sollte der SOGO immer zu Weihnachten geschmückt werden... und wir wurden nicht enttäuscht! Zwar blinkte und glitzerte alles ein wenig schriller als daheim, aber mannsgroße Zimtstangen mit Gesicht konnten mich dann doch wieder mit der in Regenbogenfarben funkelnden Deko versöhnen. ;)

Zu guter letzt gingen wir beide dann aber doch auf Nummer Sicher und schlenderten entspannt zum nächsten Starbucks. Ich glaube wenn man, egal wo auf der Welt man sich gerade befindet, eine kleine "Blase mit echtem Weihnachten" finden will, dann ist Starbucks der richtige Anlaufpunkt. Und das Beste... Während ich mich in Deutschland weigern würde horrendes Geld für die legendäre Starbucks-Röstung auszugeben (Sie werben damit welche Maschine sie zum Rösten benutzen und nicht etwa welche Bohnen???!) lockt der Sterntaler hier mit authentischer Weihnachtsmusik und -deko... und wenn man sich dann noch ein Stück Pecanusskuchen mit Zimt dazu bestellt... dann hat Starbucks zumindest hier jede Daseinsberechtigung!
..achja... Yasmine hält übrigens den Starbucks-Weihnachtssoundtrack in ihren Händen... mit ihrem heißen Nuss-Cappuchino haben die mir auch noch den aus dem Kreuz geleihert... aber mit alten amerikanischen Klassikern und neuen Interpretationen durch Goldfrapp oder ähnliche Künstler ist das ganze für 8 Euro auch ein fairer Deal gewesen! (Zumindest versuche ich mir das einzureden...)

So...genug der Weihnachtsstimmung! Mit diesem Eintrag will ich erstmal in mein Wochenende starten und hoffe einfach mal an den beiden folgenden S-Tagen noch einen nachlegen zu können. Bis dahin!

Sonntag, 15. Februar 2009

Der November... eine Fortsetzung.

Achja... wie konnte nur schon wieder so viel Zeit ins Land ziehen... Eigentlich haben wir hier auch schon wie alle anderen auf der Welt Februar und nicht wie alle anderen auf der Welt schon fast wieder 30°C. Mein aus Deutschland mitgebrachter Deo-Stick neigt sich bald zum Ende, aber ich habe fleißige Helferlein schon mit einer Neulieferung beauftragt... Bei einem Völkchen, das in quasi keiner Situation zu transpirieren beginnt traue ich den Deo hier nicht! Entweder brauchen sie keine oder sie sind so dermaßen "gut" , dass ich sie lieber nicht ausprobieren möchte... aber egal...

Der November geht weiter.

Die Erinnerungen an das letzte Wochenende wurden leider schnell von einem argen Sonnenbrand auf meinen Oberschenkeln ausradiert. Von selbigen sollte ich noch weit über eine Woche gut haben und den umumkehrbaren Schluss ziehen, beim Rafting in einem Land wie Taiwan lieber eine lange Hose anzuziehen! ... auch wenn es noch so heiß ist. Aber leider war ich noch nicht in dem Besitz dieser Weisheit als ich hier ein paar Stunden meine Beine um den Rand eines Gummibootes gewickelt und meine weißen Stampferchen bereitwillig in die pralle Mittagssonne gestreckt hatte.
Von der erniedrigenden Suche nach ein After-Sun-Creme in einem Land das von möglichst weißer Haut besessen ist, möchte ich an dieser Stelle garnicht erst anfangen. Das einzige was Yasmine nach zwei Tagen gefunden hatte war ein kühlendes Aloe-Gel. Vorher hatten aber gewisse Angestellte eines Toilettenartikelladens sichergestellt uns ein stark alkoholhaltiges Wässerchen mit Make-Up-Partikeln anzudrehen... wäre ja auch wirklich ein Gesichtsverlust wenn jemand meine roten Beine sehen würde!? Ganz im Gegenteil... versuch mal in Norddeutschland in November so einen ordentlichen Sonnenbrand mit gründlichem Peeling-Effekt zu bekommen! ... das nur nebenbei: Ich bin dazu übergegangen abgesehen von Strandbesuchen nur noch lange Hosen zu tragen.

Auf der Suche nach Sonnenmilch unter Lichtschutzfaktor 75 verging die Woche dann auch wie im Fluge und am nächsten Samstag war für Yasmine ein wichtiger Termin angesagt. Sie hatte sich vielleicht etwas voreilig für einen nationalen Redewettbewerb in der Sun Yat-sen Memorial Hall angemeldet und so hieß es am (fast heiligen) Samstag für uns um 6:30 aufzustehen um rechtzeitig zu Anmeldung am anderen Ende der Stadt zu sein. Die Startnummer baumelte schnell um Yasmines Hals und so fingen wir an die ersten Redner zu bewundern.

Shengjie hatte von Yasmines Vorhaben Wind bekommen und hatte sich auch bei uns im Publikum eingefunden. Nach gefühlten 2 Stunden (etwa einer) mehr oder minder spannender Reden und dem ein oder anderen unfreiwillig komischen Auftritt, war Yasmine dann schließlich auch dran. Zu ihrem Unglück wurde direkt vor ihrem Auftritt leider noch eine Pause für die Jury eingeschoben und so ging ihre Rede meiner Meinung nach zu sehr im allgemeinen Wiederreinkommen und Gepacke der Zuschauer unter und auch die Jury war noch dabei sich zu sortieren als die Startglocke für sie klingelte. Ich kannte die Qualitäten ihrer Rede natürlich schon aus so mancher Rezitation, aber da sich die Organisatoren obendrein dazu entschieden hatten das Mikro etwa 2 Meter vom Redner entfernt aufzustellen, kam bei mir in der 5ten oder 6ten Reihe nicht mehr viel an.
Nach Yasmines Rede konnten wir uns anhand der restlichen Teilnehmer ziemlich präzise ausrechnen, dass mit einer Bekanntgabe der Gewinner nicht vor dem Abend zu rechnen sei. Also machten wir uns zusammen mit Shengjie auf und bummelten noch ein wenig durch die anliegenden Shopping-Center. Die längste Zeit hielten wir uns beim Eslite-Bookstore auf ... falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte... der "Buchladen" ist 4 Stockwerke hoch und jede Etage hat mindestens die Größe eines Fußballfeldes. Zwar ist die Anzahl englischsprachiger Bücher im Vergleich gering (und ich bin noch nicht bereit Chinesisch zu Entspannung zu lesen), aber es reicht trotzdem, zusammen mit ihrer CD-Abteilung, mich jedes Mal für eine ziemlich lange Zeit zu fesseln.
Gegen frühen Abend fanden wir uns wieder bei der Gedächtnishalle ein und lauschten noch der ein oder anderen Rede zu verschiedenen vorgegebenen Themen. Manche waren wirklich gut und hatten viele gute Einfälle, aber zu unserem Erstaunen wurde keiner unserer präferierten Kandidaten inkl. Yasmine für einen Preis ausgesucht. Nachdem sich einige Preisrichter (namhafte Professoren aus Taipei) zu den Kriterien ihrer Auswahl äußerten wurde alles noch ein wenig wunderlicher.
Aber um es kurz zu machen. Es haben ausschließlich die langweiligen Schlipsträger alles vom 1sten bis zum 5ten Preis abgeräumt. Ihre Inhalte widersprachen dabei manchmal sogar wörtlich den Auswahlkriterien der Jury für eine gute Rede. Beispiel: Wenn man das Thema "Warum lerne ich Chinesisch" wählt, sollte man nach Angaben der Jurymitglieder selbige nicht mit Alltäglichkeiten behelligen. Den zweiten Preis gewann aber trotzdem ein blasser Brite, der sich in akzentreichen Chinesisch über die Schönheit chinesischer Kalligrafien auslies und es sich auch nicht nehmen ließ ein paar seiner eigenen mitzubringen. Nur nebenbei: Ein weiteres Kriterium der Jury war es keine Hilfsmittel außer den eigenen Händen mitzubringen!?
Auch zu den Händen ließ es sich ein anderes Jurymitglied nicht nehmen etwa 5 Minuten seine Auswahlkriterien zu erklären... "keine wilde Gestik"... "nicht vor der Jury umherlaufen".










An dieser Stelle kann ich es nicht lassen diese beiden Bilder von einem holländischen Japanologie-Studenten (wer hätte es gedacht) zu posten. Er ist während seines Vortrages wirklich die ganze Zeit umher gelaufen von einer Seite der Bühne zur anderen und hat dabei fast unkontrolliert seine Arme vor sich her geworfen... und nun Achtung! Er hat den Sonderpreis für einen kreativen Auftritt gewonnen!

Naja... abgesehen von den Ärgernissen bei der Auswahl der Gewinner... Dabeisein ist alles!

Nach dem Redewettbewerb trafen wir uns draußen noch mit Shengjies Schwester "Eve" (ich muss sie dringend mal nach ihrem chinesischen Namen fragen). Nach einem kleinen Plausch packte sie dann auch Shengjie ein und wir machten uns auf den Nachhauseweg.
Den Abend verbrachten wir ganz gemütlich vor dem Fernseher.

Neben Lernen, Essen und Einkaufen geschah dann am Sonntag auch nichts mehr besonderes und das einzige was mir noch erwähnenswert erscheint, ist, dass ich mich am Sonntagabend aufgrund eines erstaunlich klaren Himmels dazu entschied meiner Passion nachzugehen von unseren Dach aus Fotos zu schießen.

Die nächste Woche stand dann ganz im Zeichen meines ersten Semesterabschlusstests. Heißt: Lernen!

Am Donnerstag dem 13. war es dann soweit. Um 14 Uhr versammelten meine Mitstudenten und ich uns vor dem Sprachlabor und durften noch ein paar Minuten mit zittrigen Fingern in unseren Lehrbüchern wühlen. Dann ging es rein... wir wurden gründlich auf die kleinen Boxen verteilt in denen uns die blauen, versiegelten Prüfungsbögen gegenüberlagen. Aber die Aufregung war schnell verflogen. Unser Lehrer hatte uns glänzend vorbereitet und so fühlte ich mich bei fast allen Aufgaben relativ gut . Ich bin mir zwar fast sicher, dass meine Stimme bei meinen mündlichen Prüfungen nicht so fest geklungen hat wie ich es gerne gehabt hätte, aber was will man machen... :)

Am Freitag verkündete mein Lehrer dann schon, dass er meine Punktzahl bereits auf 96% runtergeprügelt hatte. Die mündlichen Prüfungen sollten dann allerdings erst später ausgewertet werden, aber nach seiner Ansicht sollte ich mit einer Prozentzahl über 90 rechnen können. Damit konnte ich natürlich mehr als gut leben und somit entspannt ins Wochenende starten.
Yasmine und ich hatten gerüchteweise erfahren, dass es unter dem Japanischen Department-Store "Sogo" einen Supermarkt mit vielen europäischen Sachen geben sollte und so packten wir unsere Portemonaies ein und machten uns auf den Weg. Nur wenige Stunden später saßen wir mit einem zufriedenen Lächeln wieder bei uns auf der Couch... vor uns ein Paket Gjetost aus Norwegen (mein Lieblingskäse) und ein Stück Gouda vom Stück! Man glaubt garnicht wie gut ein ordinärer Frico-Gouda schmecken kann!

Am Sonntag sollten Yasmine und ich Zeit finden mal eine gemütliche Radtour am Fluß hinter unserer Wohnung zu machen.

Die extra für den neuen Trend "Fahrradfahren" angelegte Asphaltstraße war wirklich sehr praktisch und so waren wir nach mehr als 3 Stunden um viele schöne Ausblicke und um die Erkenntnis lange nicht mehr Rad gefahren zu sein reicher!

Und wie man sieht... nicht nur die Beleuchtung an der Brücke gab sich Mühe zu glänzen... nein, auch die Sonne legte sich richtig ins Zeug uns einen netten Abend zu machen!

So... für heute höre ich dann auch mal wieder auf. Wie man sieht... ich war diesmal wieder ein wenig textlastiger, aber das kann ich jetzt auch nicht mehr ändern. Ich hoffe wirklich, dass ich es demnächst mal wieder öfter schaffe mich hier auszulassen, aber um ein wenig die Spannung rauszunehmen... Am Montag hat mir mein Lehrer dann meine 93% bestätigt und ich muss sagen, ich bin darauf nicht ganz unstolz!

In dem Sinne... bis bald!